Ursachen für das drohende Aussterben Ursachen für das drohende Aussterben

des Feldhamsters des Feldhamsters

Pauschal gesagt liegen die Hauptursachen für das drohende Aussterben des Hamsters insbesondere in Mitteleuropa in der fortschreitenden Intensivierung der Landwirtschaft. Doch der Hamster ist auf die Ackernutzung angewiesen. Wird eine Fläche ganz aus der Bewirtschaftung genommen, also gar nicht mehr von Landwirten bearbeitet, bietet sie schon nach wenigen Jahren keinen Lebensraum mehr für den Hamster.

Die immer weiter voranschreitende Intensivierung der Landwirtschaft ist wesentliche Ursache für den Rückgang der Bestände bzw. Restvorkommen des Feldhamsters wie auch anderer Tierarten der offenen Feldflur. Verstärkt wird diese Entwicklung noch durch den aktuellen Trend zum Energiepflanzenanbau für die Biogasproduktion durch den zu erwartenden Einsatz der sogenannten grünen Gentechnik.
Die immer weiter voranschreitende Intensivierung der Landwirtschaft ist wesentliche Ursache für den Rückgang der Bestände bzw. Restvorkommen des Feldhamsters wie auch anderer Tierarten der offenen Feldflur. Verstärkt wird diese Entwicklung noch durch den aktuellen Trend zum Energiepflanzenanbau für die Biogasproduktion durch den zu erwartenden Einsatz der sogenannten grünen Gentechnik.
Foto: Ina Ebert

Das NABU-Naturschutzinstitut Leipzig hat als konkrete
Ursachen identifiziert:

  • Schnelle und verlustarme Ernte mit sofort anschließendem Stoppelumbruch
  • Tiefe Bodenbearbeitung und Anbauverfahren mit Schwarzbrachen
  • Ausbringung stark riechender organischer Dünger wie Gülle und Klärschlamm
  • Bewässerungsmaßnahmen
  • Strukturarmut in der Feldflur durch Flurbereinigung zur Schaffung großer Schläge verbunden mit dem Rückgang von Hecken und Feldrainen
  • Starke Dominanz von einzelnen Feld-Fruchtarten bzw. verarmte Fruchtfolgen
  • Drastischer Rückgang des Anbaus von mehrjährigen Kulturen wie Luzerne und Klee
  • Verringerung des Nahrungsangebotes durch großflächige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln
  • Bodenverfestigung durch schwere Agrartechnik und direkte Tötung durch landwirtschaftliche Maschinen
  • Lebensraumverlust durch die Errichtung von Wohn- und Gewerbegebieten
  • Zerschneidung der Landschaft durch Straßen und somit Isolierung ehemals zusammenhängender Habitate
  • Verkehrstod
  • Natürliche Feinde
  • Krankheiten und Parasiten

Infolge des Einsatzes verlustarmer Erntetechnik mit unmittelbar folgendem Stoppelumbruch bleibt für den Hamster nur wenig Nahrung übrig. Das Hauptproblem sind jedoch die bei zunehmender Schlaggröße infolge Preisdruck stark eingeengten Fruchtfolgen, der drastische Rückgang des Anbaus von mehrjährigen Kulturen wie Luzerne, der Zwang zum Anbau von Winterkulturen, der wegen der dominierenden Winterfruchtfolge Raps-Weizen-Gerste fehlende Zwischenfruchtanbau. Denn die Wahl der Feldfrüchte ist – neben der Wahl der Mahdtermine – entscheidend dafür, dass der Feldhamster ausreichend geeignete Nahrung findet und für den harten Winter einlagern kann. Mais scheint für den Feldhamster nicht geeignet. Umso besorgniserregender ist auch aus Sicht des Feldhamsterschutzes der Trend der letzten Jahre zu immer mehr Mais zur Versorgung der aus dem Boden schießenden Biogasanlagen . Letzteres trifft auf die sächsische Projekt-Region jedoch nicht zu, da hier eine reine Marktfruchtproduktion stattfindet. Weitere Ursachen sind das Ausbringen schädlicher Agrochemikalien, speziell von Rodentiziden Rodentizide sind Mäuse- oder Nagergifte. Die Anwendung von Giften hat zur Folge, dass auch die Bestände der natürlichen Wühlmausfeinde wie Fuchs oder Greifvögel dezimiert werden. So entsteht ein Teufelskreis, der das biologische Gleichgewicht des landwirtschaftlichen Ökosystems stört. , und zu tiefes Pflügen oder direktes Töten durch landwirtschaftliche Maschinen. Das Tiefpflügen wurde zu DDR-Zeiten systematisch betrieben. Inzwischen wird nach Möglichkeit pfluglos gearbeitet und die Maschineneinsatzstunden pro Fläche wurden nach der Wende stark reduziert.

Foto: Ina Ebert

Aber auch die fortschreitende Versiegelung des Bodens wirkt sich negativ auf den Hamster und die gesamte Natur aus: Sie führt zu Verlust von Lebensraum durch Ausweitung von Wohn- und Gewerbegebieten; der Ausbau des Straßennetzes hat Zerschneidung und Isolierung ehemals zusammenhängender Habitate zur Folge. Und viele Hamster finden den Tod im Straßenverkehr.

Natürlich kann Hamsterschutz nicht bedeuten, dass man sich gänzlich von bestimmten Praktiken der modernen Landwirtschaft verabschiedet. So ist zum Beispiel der Einsatz von Großtechnik in großen Agrarräumen zwecks niedriger Arbeitskosten unvermeidlich. Für die Projektregion fällt noch ein anderer Umstand ins Gewicht: Leider fehlt hier die Viehwirtschaft, die aus Kostengründen nach der Wende besonders in diesem Gebiet fast gegen Null reduziert wurde. Das hat Konsequenzen für die Fruchtfolgeplanung und die Kulturartenzusammensetzung. Die Viehwirtschaft fehlt schmerzhaft auch im Hamsterschutz, weil die für den Hamster günstigen Kulturarten, zum Beispiel Luzerne, keiner wirtschaftlichen Nutzung zugeführt werden können.

Aber das Wissen über die Natur und ökologische Landwirtschaft sollte dennoch nicht verloren gehen. Und es müsste möglich sein, in unserer Agrarlandschaft Nischen für den Hamster zu finden, zumal entsprechende Bewirtschaftungspraktiken finanzielle Förderung erfahren. Auch die Lösung des Problems der ungebremsten Versiegelung unserer Kulturlandschaft liegt im Interesse des Hamsters, aber auch und gerade im Interesse der Menschen.

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