Maßnahmen zur Rettung des Maßnahmen zur Rettung des

Hamsters in Sachsen Hamsters in Sachsen

Hamsterstreifen
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Hamsterstreifen
Foto: Hans-Ulrich Bangert (SMUL)

Sollen die sächsischen Hamster gerettet werden, müssen die begonnenen, erfolgversprechenden Maßnahmen in noch größerem Umfang und mit großer Kontinuität fortgeführt werden. Eine gute Möglichkeit, ihnen zu helfen, sind sogenannte Hamsterstreifen. Das sind bewirtschaftete Ackerstreifen von mehreren Metern Breite mit einer abweichenden Kulturart. Diese Streifen bieten den Tieren Nahrung und Schutz in den Zeiten, wenn auf den angrenzenden Flächen ungünstige Bedingungen herrschen. Solche Zeiträume liegen zum Beispiel zwischen Ernte und Deckung der nächsten Kulturart oder Kulturarten, die für die Tiere keine ausreichende Nahrung bieten. Auch anderen Tieren – Insekten, Vögeln und Hasen usw. – dienen sie als Rückzugsräume und bereichern das Landschaftsbild.

Eine weitere Maßnahme zur Rettung des Feldhamsters ist der verspätete Umbruch der Stoppeln nach Abschluss der Ernte in den Sommermonaten. Ein Zeitraum von 10 Tagen reicht den Tieren meist aus, um ausreichende Wintervorräte von mindestens 2 Kilogramm Körnern zu sammeln.
Auch der Anbau besonderer Hamsterleckerbissen wie Weizen, Hafer, Luzerne nützt den Hamstern. Im Rahmen des Hamsterprojekts von LaNU, NABU, Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen e. V., LfULG und Regionalbauernverband werden solche freiwilligen landwirtschaftlichen Maßnahmen honoriert und von Öffentlichkeitsarbeit begleitet.
Hier müssen bei der Ernte Stoppeln und Getreidereste verbleiben. Dann bieten diese Streifen den Hamstern Nahrung und Schutz vor Feinden.

Mittelfristig sollen im ganzen ehemaligen und aktuellen Hamster-Siedlungsgebiet um Delitzsch auf möglichst vielen Feldern Maßnahmen zum Hamsterschutz umgesetzt werden. Dazu gehören:

  • Beschränkung der Bodenbearbeitung auf eine Tiefe von höchstens 25 cm.
  • Anlage von Streifen anderer Kulturarten als zusätzliche Nahrung und Deckung.
  • Verzicht auf Feldarbeiten nach Einbruch der Dämmerung.
  • Weitere Verbesserung der Humusbilanz der Böden.

Unmittelbar nach Abschluss der Kooperationsvereinbarung 2008 begann der Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen e. V., die betroffenen Landwirte mit dem Projekt vertraut zu machen, für eine hamstergerechte Bewirtschaftung zu gewinnen und konkrete Möglichkeiten der einzelnen Landwirte, sich in das Projekt einzubringen, zu prüfen. Dazu wurden den Landwirten in Einzelgesprächen die Ergebnisse der Hamsterkartierungen vorgestellt. Auch wurden sie über die Notwendigkeit der Begehung der Ackerflächen und über bestehende rechtliche Probleme zwischen Kartierer und Landwirt informiert. Bisher konnten 11 (Stand 2014) landwirtschaftliche Betriebe dafür gewonnen werden, am Hamsterprojekt teilzunehmen. Zu den Verpflichtungen der Betriebe gehören:

  • Streifenweiser Anbau von Hafer oder anderen Kulturarten als Deckung und Nahrung für den Feldhamster auf Schlägen mit ungünstigen Kulturarten.
  • Durchführung des Scheibens abgeernteter Flächen mindestens 10 Tage nach der Ernte bzw. in einer Schlechtwetterperiode.
  • Ansaat von Blühstreifen aus unterschiedlichsten Arten.

Neben bereits eingegangenen Verpflichtungen führen viele Landwirte freiwillige Maßnahmen im Rahmen der zeitlichen Möglichkeiten und der jeweiligen Witterungsbedingungen durch:

  • Möglichst später Stoppelumbruch auf Getreideschlägen.
  • Anbau von Zwischenfrüchten.
  • Verzicht auf das Scheiben abgeernteter Rapsschläge.

2007 wurden schon 1,5 km Hamsterstreifen angelegt. Zwischen 2008 und 2014 haben die Maßnahmenfläche und die vermittelten Maßnahmen ständig zugenommen.
Im Jahr 2014 überstieg die Fläche der von den Landwirten durchgeführten freiwilligen Maßnahmen erstmals die Fläche mit abgeschlossenen Verträgen. Dabei wurden alle Maßnahmen auf der Fläche pro Jahr dokumentiert (ohne Mehrfachzählung). Auf 78 Hektar wurden zum Beispiel im Jahr 2014 durch 2 Betriebe mehrere Maßnahmen auf der gleichen Fläche in Folge umgesetzt – nach verspätetem Stoppelumbruch folgte die Ansaat von Zwischenfrüchten.

2014 binden 11 landwirtschaftliche Betriebe Maßnahmen zum Schutz des Feldhamsters in die Bewirtschaftung ein. Aufgrund der Betriebsstruktur sind allerdings nicht in jedem Jahr Maßnahmen im Projektgebiet möglich.

Maßnahme in ha2008200920102011201220132014
Getreidestreifen1,53,23,2
verspäteter Stoppelumbruch190331653641,8355,2262
Besiedlungsprämie81,5
Brache/Blühstreifen0,59,79,7
Summe Vertragsmaßnahmen1,5190416656642,3364,9353
freiwillige Maßnahmen0,60,2520313376
Fläche Maßnahmen gesamt1,5191416661662678729
Teilnehmende Betriebe2565878


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