Umsiedlung von Hamstern Umsiedlung von Hamstern

in Nordwestsachsen in Nordwestsachsen

Vorgeschichte Vorgeschichte

Ehemalige Fläche – Hamstervorkommen
Ehemalige Fläche – Hamstervorkommen
Foto: Karl Heinz Trippmacher

Anfang August 2001 wurde im Rahmen der letzten Planungen für ein Gewerbegebiet bei Wiedemar im Landkreis Delitzsch auf einer etwa 16 Hektar großen Ackerfläche das Vorkommen des Feldhamsters in relativ hoher Dichte (durchschnittlich 4,6 Baue/ha, maximal 16 Baue/ha) festgestellt. Es war absehbar, dass bereits die Bauphase (Bodenabtrag und Totalversiegelung während der Überwinterung) im Herbst und Winter 2001/2002 den Tod der Feldhamster zur Folge haben und dass nach der vorgesehenen gewerblichen Bebauung des Geländes dieser Lebensraum für den Feldhamster vollständig und dauerhaft unbewohnbar sein würde. Der Bauträger stellte einen Antrag auf Befreiung von den Verboten des §20f des Bundesnaturschutzgesetzes und einen Antrag auf Umsiedlung einer Teilpopulation des Feldhamsters, dem durch die zuständige Behörde stattgegeben wurde.

Die Umsiedlung Die Umsiedlung

Zur Aussetzung der gefangenen Tiere wurde eine Fläche gesucht, die noch nicht abgeerntet war, und ein Landwirt, der bereit war, die Umsiedlungsaktion zu gestatten und künftig eine geförderte hamsterfreundliche Bewirtschaftung durchzuführen.

Umsiedlung
Umsiedlung
Foto: Karl Heinz Trippmacher

Eine solche von Feldhamstern bereits besiedelte Ausgleichsfläche wurde durch die Untere Naturschutzbehörde wenige Kilometer entfernt gefunden. Innerhalb dieses insgesamt 15 Hektar großen, mit Winterweizen bestellten Feldes wurden zwei Aussetzungsflächen von jeweils 2 Hektar nicht geerntet und die Stoppeln auf dem Rest des Feldes erst Ende September umgebrochen. Eine der Aussetzungsflächen wurde hamstersicher eingezäunt, um Abwanderungen einzuschränken, die zweite Fläche bekam zu Vergleichszwecken keine Umzäunung. Innerhalb der Flächen wurden reichlich 60 cm tiefe Schräglöcher (d = 7 cm) als Unterschlupf für die Tiere vorbereitet und vor dem Aussetzen der einzelnen Tiere vor jeden Eingang 0,5 bis 1 kg Weizenkörner geschüttet sowie etwas Futter in die Röhren gegeben.

Vom 28.8. bis 21.9.2001 wurden 146 Feldhamster gefangen und umgesiedelt, das heißt auf den Aussetzungsflächen in die vorgebohrten Röhren entlassen, die von fast allen Hamstern sofort angenommen wurden. Die Röhren wurden dann mit Lager-Weizen abgedeckt. Kontrollen Anfang Oktober 2001 ergaben, dass die meisten der vorgebohrten Röhren noch als genutzt erkennbar und inzwischen zur Überwinterung von innen verschlossen waren. Teilweise wiesen sie zusätzliche Röhren und große Auswurfhügel auf. Auch völlig neue Baue wurden gefunden. Die Kontrolle des Überwinterungserfolges im Frühjahr 2002 ergab eine Überlebensrate von über 90 Prozent, und die Populationsdichte nahm im Verlauf des Jahres 2002 stark zu (MAMMEN & MAMMEN 2002a, b, MAMMEN et al. 2003). Diese im Spätsommer durchgeführte Umsiedlung ist somit zunächst erfolgreich verlaufen. Wesentlichster Faktor für die weitere Populationsentwicklung der Feldhamster, das heißt für den mittel- und langfristigen Erfolg der Umsiedlung, sind aber die Lebensbedingungen auf der Ansiedlungsfläche, d. h. die Art und Weise der Bewirtschaftung nach der Umsiedlung. Als Ausgleich für den Verlust des Hamsterlebensraumes im Plangebiet wurde und wird die etwa gleich große Ausgleichsfläche hamsterfreundlich bewirtschaftet und der Feldhamsterbestand auf der Ansiedlungsfläche jährlich kontrolliert. Gegebenenfalls werden die Bewirtschaftungsmaßnahmen modifiziert und optimiert (MAMMEN & MAMMEN 2002b, MAMMEN et al. 2003).

Abgedeckte Falle mit Kennzeichnung
Zoom
Abgedeckte Falle mit Kennzeichnung
Foto: Karl Heinz Trippmacher

Hamster in der Falle wird für Neufang ausgetauscht
Zoom
Hamster in der Falle wird für Neufang ausgetauscht
Foto: Karl Heinz Trippmacher

 
Der Hamster wird gewogen
Zoom
Der Hamster wird gewogen
Foto: Karl Heinz Trippmacher

Neue Fläche für die Hamster
Zoom
Neue Fläche für die Hamster
Foto: Karl Heinz Trippmacher

_
Das könnte Sie auch interessieren:

Der NABU bedauert das erzwungene Ende der viel beachteten Informationskampagne „Neue Bauernregeln“ des Bundesumweltministeriums. Mit der Bauernregel Nr. 2 wurde beispielsweise auf den vom Aussterben bedrohten Feldhamster aufmerksam gemacht. ...mehr

Bundesumweltministerium verkündet neue „Bauernregeln“

Kampagne mit Werbung für eine naturverträgliche Landwirtschaft und eine Reform der europäischen Agrarförderung gestartet

Umweltministerin Barbara Hendricks forderte auf der Grünen Woche in Berlin im Januar 2017 ein Umdenken in der Landwirtschaft und beim Konsumverhalten. Barbara Hendricks: „Nur eine nachhaltige Landwirtschaft, die Biodiversität, Klimaschutz und die Gesundheit der Menschen berücksichtigt, ist zukunftsfähig. ...mehr

In letzter Instanz

Artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung zur Umsiedlung von Feldhamstern in Sachsen-Anhalt abgelehnt

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) entschied mit Beschluss vom 3. Januar 2017, dass die vom Landkreis Mansfeld-Südharz erteilte artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung zur Umsiedlung von Feldhamstern (genauer deren sofortigen Vollzug, welcher das Ausgraben von Feldhamstern im Winterschlaf umfasst) nicht rechtens ist. ...mehr

NABU Sachsen | Impressum | Verwendete Literatur



©(2010) NABU-Landesverband Sachsen

StartseiteAktuellesDas Projekt
Vertragsnaturschutz
Kooperationspartner
Andere Projekte

Situation in Sachsen
Verbreitung
Kartierung
Rückblick
Ursachen | Rückgang
Wirtschaftliche Nutzung
Ausblick

Art und Lebensraum
Der Hamsterbau

Schutz
Maßnahmen
Umsiedlung

Presse | Historie
Aus der Presse

LiteraturSpendenKontakte