Einfluss der Landwirtschaft – ein Rückblick Einfluss der Landwirtschaft – ein Rückblick

Ob der Feldhamster geeignete Lebensbedingungen findet oder nicht – darüber entscheiden die Bodenbeschaffenheit und die Methoden der landwirtschaftlichen Nutzung, welche die Ausbreitung des Hamsters begünstigen oder aber verhindern beziehungsweise gar zum Aussterben des Feldhamsters führen können.

Luzerne
Luzerne
Aus: Landwirtschaftliche Unterrichtsbücher: Pflanzenbau

Mit Beginn des Mittelalters um etwa 800 nach Christi kam die Dreifelderwirtschaft auf. In dieser Zeit profitierten die Hamster von der verbesserten Landnutzung im Allgemeinen, der Vergrößerung der Anbaufläche, der Vielzahl an Feldfrüchten, dem Angebot von Winter- und Sommergetreide sowie der Bearbeitung der Felder mit einfachstem Gerät. Das 18. Jahrhundert stellte eine weitere Phase der Optimierung des Ackerbaus dar. Die Trockenlegung von Feuchtgebieten vergrößerte das für den Hamster potenziell besiedelbare Areal. Die Bestellung der Bracheflächen mit mehrjährigen Futterpflanzen wie Luzerne, Klee und Esparsette lieferte ihm einen zusätzlichen und gegenüber den Getreidefeldern störungsarmen, nahrungs- und deckungsbeständigen Zweitlebensraum. Die Kombination dieser Faktoren, die geringen Feldgrößen und die damit verbundene Diversität an Feldfrüchten, die für den Hamster erreichbar waren, begünstigten Ausbreitung und Populationsdichten.

Im 19. Jahrhundert überbrückte die verbesserte Dreifelderwirtschaft das Brachestadium mit dem Anbau von Raps, Kartoffeln, Futter- und Zuckerrüben. Für den Hamster erhöhte sich in dieser Zeit das Nahrungsangebot bei gleich gebliebener, überwiegend manueller Feldbearbeitung. Viehgetriebene Landmaschinen gab es zwar schon, aber sie arbeiteten langsam. Auf den Feldern aufgestellte Getreidegarben boten den Hamstern auch nach der Ernte noch Nahrung. Stoppelumbruch und Pflügen erfolgten häufig erst im Spätherbst. So konnten sich die Hamster mit Nahrung für den Winter eindecken, zumal Halm- und Blattfrüchte wie auch Viehfutterschläge sich mosaikartig abwechselten und ein in saisonaler Abfolge verfügbares Nahrungsspektrum boten.

Leichter Hackpflug
Leichter Hackpflug
Aus: Des Landmanns Weg zum Erfolg

Das alles begann sich zu ändern, als sich die Landwirte von traditionellen ackerbaulichen Methoden mehr und mehr trennten. Vor allem mit der intensivierten Landwirtschaft entstanden die Ursachen für den Rückgang der Tierarten der Agrarlandschaft.

(Nach Ulrich Weinhold, Anja Kayser: Der Feldhamster. Die neue Brehmbücherei, Band 625)

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