Verbot von Glyphosat ist überfällig

Bundestag entscheidet über gefährliches Pflanzenschutzmittel

07.02.2012

Ausdrücklich unterstützt der NABU einen Antrag im Bundestagsausschuss, die Zulassung des Pestizidwirkstoffs Glyphosat auszusetzen und den weit verbreiteten Pflanzenkiller wissenschaftlich neu zu bewerten. Die Risiken des auch bei Kleingärtnern beliebten Pflanzengifts, das in Deutschland unter dem Namen „Roundup“ vertrieben wird, hat der NABU in seiner Broschüre „Glyphosat und Agrogentechnik“ zusammengestellt.

Demnach belegen neue wissenschaftliche Untersuchungen, dass die Risiken des Glyphosateinsatzes seit Jahren unterschätzt werden. So warnt der NABU vor erhöhten Gesundheitsgefahren für deutsche Verbraucher vor allem durch den flächendeckenden Einsatz von glyphosathaltigen Herbiziden in der Futtermittelproduktion in Lateinamerika, Brasilien und den USA. Es gibt deutliche Hinweise, dass die Glyphosatrückstände in Importfutter auf der Basis von gentechnisch verändertem Soja steigen. „Viele Bürger wähnen sich auf der sicheren Seite, weil sie denken, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel hierzulande verboten sind“, erklärt Steffi Ober, NABU-Referentin für Agro-Gentechnik. „Aber tatsächlich konsumiert jeder Deutsche jedes Jahr durchschnittlich 60 Kilogramm gentechnisch veränderte Soja über unsere Futtermittelimporte.“

Neubewertung der Risiken ist dringend notwendig!
Der Bundestagsausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz behandelt auf seiner Sitzung am Mittwoch einen Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sowie einzelner Abgeordneter, um ein Verbot des Glyphosateinsatzes zur Abreifebeschleunigung (Sikkation) durchzusetzen. Ebenso unterstützt der NABU die Forderung des Antrags, die Verwendung von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln in privaten Haus- und Kleingärten schnellstmöglich zu unterbinden, sowie deren Verkauf über Bau- und Gartenmärkte. „Der Antrag greift endlich unsere Forderung auf, dass angesichts neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse eine umfassende Neubewertung der Risiken von Glyphosat und glyphosathaltigen Herbiziden dringend nötig ist“, erklärt NABU-Referentin Steffi Ober.

Gentechnisch verändertes Soja ist viel billiger
Dreiviertel der gentechnisch veränderten Kulturen weltweit sind herbizidresistent und vertragen somit die mehrmalige Dusche mit Glyphosat. Diese wachsen auf mehr als 100 Millionen Hektar weltweit und werden mit über 600.000 Tonnen Glyphosat behandelt. Dazu trägt auch der steigende Anbau für Bioenergiepflanzen bei. Ungeachtet der hohen Aufwandmengen sind die Rückstandskontrollen für Glyphosat sehr gering. Auf Pestizide wurden 2008/2009 in Deutschland rund 18.000 Proben untersucht, aber davon nur 0,2 Prozent an Importsoja. Dabei importiert allein Niedersachsen, das Stammland der industriellen Landwirtschaft, zur Fleischerzeugung jährlich fünf Millionen Tonnen Soja, wovon das meiste gentechnisch verändert wurde. „Es ist eine Schande, dass sich der niedersächsische Landwirtschaftsminister Lindemann immer wieder in das Geschirr der Gentechniklobby spannen lässt und sogar mit einem Millionen-Programm für mehr Akzeptanz der Gentechnik bei Schülerinnen und Schülern wirbt“, kritisiert NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Mit der Wildkrautflora gehen Nahrungsquellen und Lebensräume verloren
In einer Branche, in der jeder Cent zählt, ist der Preis das durchschlagende Argument: Gentechnisch verändertes Soja ist viel billiger. So kostet gentechnisch veränderter Sojaschrot derzeit rund 400 Dollar pro Tonne, aber nicht gentechnisch veränderter Sojaschrot bis zu 450 Dollar. „Doch der Markt bildet nicht den wahren Preis ab“, erklärt Steffi Ober. „Der Anbau von gv-Soja frisst sich ungebremst in die letzten intakten Regenwälder in Brasilien, vertreibt die Landbevölkerung in Paraguay und Uruguay und vergiftet die Bevölkerung, die rund um die gigantischen Sojafelder lebt. Studien zeigen, dass die Fruchtbarkeit des Bodens unter dem hohen Glyphosateinsatz leidet und die Erträge bei Soja zurückgehen.“ Neben den direkten toxischen Effekten gefährdet Glyphosat Flora und Fauna indirekt. Mit der Wildkrautflora gehen Nahrungsquellen und Lebensräume verloren, ein Effekt, der dramatisch unterschätzt wird. Der TEEB-Bericht (The Economics of Ecosystems and Biodiversity) gibt erstmals dem Verlust der biologischen Vielfalt einen Preis und stellt fest, dass die Erhaltung von Ökosystemen fast immer kostengünstiger ist als alle Bemühungen, sie im Nachhinein wieder herzustellen.

Dr. Steffi Ober
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