Internationale Feldhamstertagung 2016

Einer für alle – alle für einen: 90 Feldhamster-Forscher tagten in Heidelberg

Vom 28. bis 30. Oktober 2016 trafen sich Forscher aus aller Welt im Heidelberger Marsilius-Kolleg, um nach Lösungen zur Rettung für den in Europa vom Aussterben bedrohten Feldhamster zu suchen. Forscher aus 11 Ländern überlegten Strategien
Zu ihrer jährlichen Tagung traf sich die Feldhamster-Forscher-Elite 2016 in Heidelberg. Die Deutsche Wildtier Stiftung hatte gemeinsam mit dem Institut für Faunistik aus Heiligkreuzsteinach Forscher aus Frankreich, den Niederlanden, Schottland, Russland, der Ukraine und auch aus Sachsen eingeladen. 90 Feldhamster-Fachleute waren gekommen.

Ist der Feldhamster noch zu retten?
Einst war der Feldhamster in Deutschland so häufig, dass er von den Bauern als Getreideschädling gejagt und getötet wurde. Heute sind Feldhamster in Deutschland kaum noch zu finden und gehören mittlerweile zu den am stärksten bedrohten Säugetieren in ganz Europa! Denn während die industrielle Landwirtschaft finanziell gefördert wird, bleibt die wildbiologische Artenvielfalt der Feldflur unbeachtet. Daran konnte auch die Wahl zum Tier des Jahres 2016 nichts ändern. Peer Cyriacks, Biologe der Deutschen Wildtier Stiftung, sprach auf der Tagung aus, was allen Forschern bewusst ist: „Der Feldhamster stirbt uns buchstäblich unter den Händen weg. Eines ist klar: Viel Zeit bleibt uns nicht mehr.“

Bereits am öffentlichen Eröffnungsabend zeugte der nahezu voll besetzte Hörsaal der Marsilius Arkaden der Universität Heidelberg vom großen Interesse der Bevölkerung am Thema Feldhamster. Informative Vorträge illustrierten den fortschreitenden Rückgang der Art in Deutschland und auch in der Region vor Ort, wo die letzten Feldhamster Baden-Württembergs leben. Mit ihrem Film „Feldhamster – mit vollen Backen durchs Leben“ faszinierten schließlich die Heidelberger Tierfilmer Annette und Klaus Scheurich. Sie waren dem Feldhamster mit der Kamera unter den Acker gefolgt.

Auch der wissenschaftliche Teil des 23. „International Meeting of the Hamster Workgroup“ war geprägt vom scheinbar unaufhaltsamen europaweiten Rückgang des Feldhamsters. Wissenschaftler, Naturschützer und Behördenvertreter standen im Dialog zu Artenschutzthemen, Modellrechnungen zur Populationsdynamik, den Ergebnissen von genetischen Untersuchungen (und hier auch der Spurensuche zur Frage: wie kamen die Feldhamster eigentlich nach Mitteleuropa?), Studien zur Vorratsnutzung während der Überwinterung, zum Einfluss von Lichtverschmutzung und zum Fortpflanzungsverhalten. Eine Besonderheit sind städtische Hamstervorkommen, die es in Österreich und Russland gibt: Videoaufzeichnungen aus dem nächtlichen Hamsterleben in einem Stadtpark in Sewastopol sorgten für viel Heiterkeit. Bei einem Rundgang durch den Zoo Heidelberg wurde den Teilnehmern der Tagung zudem ein Einblick in die dortige Zuchtstation für Europäische Feldhamster gewährt.
Im komplexen ökologischen Gefüge ist auch der Blick über die Artgrenzen hinaus sinnvoll und lehrreich: So waren erstmals auch Spezialisten für andere Kleinsäugerarten wie Lemming, Eichhörnchen, Igel und Sumpfspitzmaus eingeladen, über interessante Ergebnisse zu berichten.

Mit einer Tour zu den letzten Hamstervorkommen im Rhein-Neckar-Kreis endete die Fachtagung am Sonntagnachmittag.

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