Bekämpfung und wirtschaftliche Bekämpfung und wirtschaftliche

Nutzung des Feldhamsters Nutzung des Feldhamsters

Innenfutter eines Mantels aus 80 Hamsterfellen
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Innenfutter eines Mantels aus 80 Hamsterfellen
Foto: Ina Ebert

In Mitteleuropa haben die konsequente Bekämpfung des Hamsters als Ernteschädling und seine wirtschaftliche Nutzung eine lange Tradition. Wohl bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Hamsterbaue überwiegend ausgegraben, um sowohl an den Pelz des Bewohners als auch an die Vorräte zu gelangen. Als Nahrungs- und Futtermittel, vor allem für die Geflügel- und Schweinemast, wurden nicht nur die Vorräte, sondern sogar der Hamster selbst genutzt. Auch über das Vergiften der Tiere, das Austränken mit Wasser, den Fallenfang mit Holzkastenfallen und anderes finden sich Berichte schon aus dem Jahr 1774. Der großflächige Einsatz von Totschlagsfallen setzte sich im 20. Jahrhundert durch, als die Verwertung der Hamsterfelle zu einem einträglichen Wirtschaftszweig wurde. Die leichten, dauerhaften Felle der Hamster waren sehr begehrt, sie wurden vor allem zu Innenfutter von Mänteln oder zu Westen verarbeitet. Bis zu 100 Nager mussten ihr Leben lassen, um das Futter für einen einzigen Mantel herzustellen. Sogar noch in der Zeit von 1961 bis 1966 wurden zum Beispiel im Bezirk Leipzig über 64 000 Felle zur Verarbeitung abgeliefert.

Der gewerbswerbsmäßige "Erdjäger" und Hamsterfänger Gustav Hommel, ein Original aus Eckersdorf bei Dresden, 1864 (Unveränderter Nachdruck der Neuen Brehmbücherei Heft 21 der 2. Auflage von 1952 durch Westarp 2003)
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Der gewerbswerbsmäßige "Erdjäger" und Hamsterfänger Gustav Hommel, ein Original aus Eckersdorf bei Dresden, 1864 (Unveränderter Nachdruck der Neuen Brehmbücherei Heft 21 der 2. Auflage von 1952 durch Westarp 2003)
Sammlung: E. Rudolph, Hainsberg

In Deutschland lagen die besten Fang- und die traditionellen Bekämpfungsgebiete in der Magdeburger Börde und im Thüringer Becken. 424 Hamsterfänger gab es noch 1976 im Bezirk Magdeburg. In den übrigen deutschen Hamstergebieten rechnete sich der Hamsterfang nur für wenige Hamsterfänger.

Da bis in die 1970er Jahre die Hamsterbekämpfung im Vordergrund stand, erfolgten bei starkem Befall beziehungsweise erheblichen Schäden auch große Vergiftungsaktionen.

Die Hamsterbekämpfung wurde in den alten Bundesländern noch bis 1982 durchgeführt, in der DDR bis 1989. In Ungarn, Rumänien und in der Ukraine wird der Hamsterfang nach wie vor gewerblich und zur Verhütung landwirtschaftlicher Schäden betrieben. Auch heute noch importiert Deutschland aus diesen Ländern Hamsterfelle für die Bekleidungsindustrie.

(Nach Ulrich Weinhold, Anja Kayser: Der Feldhamster. Die neue Brehmbücherei, Band 625)

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